In deinem Kreuzfahrtvertrag steht eine Zahl, die du wahrscheinlich nie gelesen hast. Es ist die Treibstoffzuschlags-Klausel, und seit letztem Monat ist sie keine reine Theorie mehr. Zwei Reedereien ziehen sie aktiv. Der Rest der Branche schaut zu.
Resorts World Cruises hat Mitte März 2026 angefangen. Gäste auf der Star Voyager zahlen 200 Hongkong-Dollar pro Person und Nacht — etwa 25 US-Dollar. Die Star Navigator ab Keelung verlangt 600 NTD, rund 19 US-Dollar. Dream Cruises liegt bei 15 SGD, ungefähr 11,70 US-Dollar. Die Gebühr läuft automatisch über das Bordkonto und wird von jedem Gast über zwei Jahren gezahlt. Bei einer 10-tägigen Reise zu zweit sind das bis zu 500 Dollar zusätzlich an der Gangway.
Warum jetzt
basierend auf EIA-Tagesdaten und Trading Economics — deutlich über dem 70-Dollar-Auslöser, der in den meisten Verträgen steht
Brent hält sich seit der Hormus-Störung Anfang April über 105 Dollar. Die meisten Beförderungsverträge haben ihre Auslöser vor Jahren bei 70 Dollar pro Barrel formuliert. Die Rechnung ist seit Wochen leise auseinandergelaufen. Die einzige Frage war, wer zuerst zieht.
Wer ist am stärksten exponiert
Das Treibstoff-Hedging ist die wichtigste Variable. Eine Linie, die einen Teil ihres 2026er Treibstoffs zu Vorjahrespreisen festgezurrt hat, hat einen Puffer. Eine ohne Absicherung zahlt Spotpreis, und mit jedem Brent-Druck wird die Versuchung größer, die Kosten weiterzureichen.
Royal Caribbean Q4-2025-Telefonkonferenz, 29. Januar 2026 — jährliche Hedging-Kosten rund 474 Dollar pro metrischer Tonne
Offenlegung von Norwegian Cruise Line Holdings, Stand 16. Januar 2026 — vor allem Schweröl und Marine-Diesel
Carnival hedgt nichts. Die Q1-Offenlegung schreibt die rund 500 Millionen Dollar Treibstoffkosten-Effekt in diesem Jahr schlicht der Tatsache zu, dass das Unternehmen zum Spotpreis kauft.
| Reederei | 2026 Treibstoff gehedgt | Aktiver Zuschlag? | Klausel im Vertrag? |
|---|---|---|---|
| Royal Caribbean | ~60% | Nein | Ja |
| NCL | ~51% | Nein | Ja |
| Carnival | 0% (ungehedgt) | Nein | Aus aktuellem Vertrag entfernt |
| MSC | Nicht offengelegt | Nein | Ja |
| Resorts World / Star / Dream | Nicht offengelegt | Ja — 11 bis 25 Dollar pro Nacht | Ja |
Die Überraschung in dieser Tabelle ist Carnival. Auf den ersten Blick sieht die am stärksten exponierte Linie für bereits Buchende am sichersten aus — weil sie die Klausel rausgenommen haben. Diese Entscheidung ist neu, sie schützt nur Gäste, deren Vertrag unter dem neuen Wortlaut ausgestellt wurde, und sie ist die Sorte Entscheidung, die leise wieder zurückgedreht wird, wenn die Anwälte die Cashflow-Rechnung noch einmal lesen.
Was du konkret tun solltest
Wer noch vergleicht und nicht gebucht hat, hat es einfacher. Linien mit hohem Hedging-Anteil und ohne aktiven Zuschlag sind die solideste Absicherung für dein eigenes Reisebudget — Royal Caribbean und NCL passen aktuell. Linien ohne Hedging und mit lebender Klausel sind die nächsten Kandidaten, die fallen könnten. Den aktuellen Vertragstext und die Preise pro Nacht für alle großen Reedereien kannst du auf GoCruiseTravel.com vergleichen — die Spalte zur Treibstoffexposition steht dort direkt neben dem Gesamtpreis und nicht im Prospekt vergraben.
Das Fazit für Buchungen im Frühjahr 2026
Wer schon gebucht hat, schaut sich heute den Beförderungsvertrag an. Wer noch vergleicht, bevorzugt Linien, die mindestens 50% ihres 2026er Treibstoffs gehedgt und ihre Klausel noch nicht gezogen haben — Royal Caribbean und NCL sind aktuell die klarsten Beispiele. Resorts-World-Tarife meiden, solange der Zuschlag nicht schon eingepreist ist. Die Exposition Seite an Seite vergleichst du auf GoCruiseTravel.com.
Die Treibstoffzuschlags-Klausel sitzt seit zwei Jahrzehnten in Kreuzfahrtverträgen, meistens ungenutzt, meistens vergessen. Im März hat sie aufgehört, Theorie zu sein. Ob der Rest der Branche nachzieht, ist eine Frage der Nerven — nicht des Vertragsrechts.
