Bonifacio ist der Kreuzfahrthafen, der eigentlich gar keinen Hafen hat — Schiffe ankern vor einem nadelschmalen Kalksteinfjord und tendern dich an Klippen vorbei, auf die die Einheimischen vor achthundert Jahren eine Stadt gebaut haben, offenbar mit Absicht.
Die Stadt teilt sich klar in zwei Hälften, und so auch der Tag. Unten auf Meereshöhe liegt der Yachthafen, eine Kurve aus Segelbooten und Eisständen entlang Quai Comparetti, wo die Tender anlegen. Oben auf der Klippe, gut zweihundert Fuß über dem Wasser, liegt die haute ville — die mittelalterliche Altstadt, ummauert, windgepeitscht, an manchen Stellen so eng, dass zwei Menschen mit Einkaufstüten aushandeln müssen, wer zuerst geht. Dazwischen liegt entweder ein strammer fünfzehnminütiger Aufstieg über die Straße, ein navette-Shuttle für ein paar Euro, oder, wenn du theatralisch sein willst, die 187 Stufen des Escalier du Roi d'Aragon, direkt in die Klippenwand zum Meer hinunter geschnitten.
Das andere, was man über Bonifacio verstehen sollte, ist die Geographie. Du bist sieben Kilometer von Sardinia entfernt — nahe genug, dass die italienische Küste an einem klaren Morgen wie etwas aussieht, zu dem man hinüberschwimmen könnte, was Leute gelegentlich tun, törichterweise. Die Bouches de Bonifacio zwischen den beiden Inseln stehen als internationales Meeresschutzgebiet unter Schutz, und die Gruppe kleiner unbewohnter Inselchen vor der Küste — Lavezzi, Cavallo, Ratino — ist der Grund, warum das Wasser hier in jenem bestimmten Türkiston leuchtet, der sich nicht ganz fotografieren lässt. Die meisten Schiffe legen hier für einen halben Tag an, was genau die Zeit ist, um die haute ville zu durchwandern und die Klippe zu unterschätzen.