Vardø ist die östlichste Stadt Norwegens, liegt auf einer kleinen Insel vor der Varanger-Halbinsel und ist über einen Unterwassertunnel mit dem Festland verbunden. Man ist hier weiter östlich als Sankt Petersburg, der Wind kommt hart vom Barentssee her, und die Stadt hat den leicht verwitterten Blick eines Ortes, der das seit tausend Jahren macht.
Die meisten Kreuzfahrtgäste kommen mit einem Hurtigruten-Küstenschiff in Vardø an, das hier seit 1893 hält — der südwärts gehende Anlauf ist meist länger als der nordwärts gehende, und die Stadt ist klein genug, dass das Schiff während des Festmachens das Lauteste in ihr ist. Der Hafen liegt nur einen kurzen Fußweg von allem entfernt, was zählt: der sternförmigen Festung Vardøhus (der nördlichsten noch aktiven Festung der Welt), dem Pomor-Museum am Hafen und dem Steilneset-Mahnmal draußen am Vorgebirge. Vardø selbst ist ein stiller, salzgegerbter Ort — Fischerortfarben, viel Wetter und Straßenkunst an jedem zweiten Giebel dank des jährlichen Wandbildprojekts Komafest.
Was die Stadt macht, macht sie ernsthaft. Vardøhus ist eine echte Festung, die im Zweiten Weltkrieg ihre Geschütze abfeuerte und zum Geburtstag des Königs noch immer die Flagge hisst. Das Pomor-Museum erzählt die lange Geschichte des russischen Handels über die Barentssee — Vardø war jahrhundertelang der Ort, an dem norwegischer Fisch auf russisches Mehl traf. Steilneset, von Peter Zumthor und Louise Bourgeois, erinnert an 91 Menschen, die im 17. Jahrhundert als Hexen verbrannt wurden, und ist eines der kompromisslosesten Stücke Architektur, die man auf einer norwegischen Kreuzfahrt sehen wird — ein 125 Meter langer dunkler Korridor über den Felsen, gepaart mit einem gläsernen Pavillon, der Bourgeois' brennenden Stuhl beherbergt. Hornøya, der Vogelfelsen zehn Bootsminuten entfernt, beherbergt Papageitaucher, Lummen, Tordalken und Dreizehenmöwen, die von März bis August in Armlänge nisten. Dazu Polarlicht im Winter, Mitternachtssonne im Sommer — und die östlichste Stadt Norwegens ist die lange Anreise wert.